BUSSTOPS-Haltestelle am Königsworther Platz in Hannover

Mein BUSSTOPS-Projekt (Teil 1)

February 22, 2016

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Hinter den „BUSSTOPS“ verbergen sich neun verschiedene Haltestellen in Hannover, deren individuelle Haltestellenhäuschen bekannte Designern und Architekten entwarfen. Die Stadt lieferte damit wieder einen größeren Beitrag zum Thema Kunst im öffentlichen Raum, nachdem in den 1970er vor allem die „Straßenkunst“-Aktionen für Aufsehen gesorgt hatten. Es gibt die Haltestellen seit 1994, mittlerweile also mehr als 20 Jahre. Für mich als Hannoveraner sind die BUSSTOPS längst ein alltäglicher Anblick geworden – wäre interessant zu wissen, wie sie von Außenstehenden wahrgenommen werden. Um die Kunstobjekte selbst neu zu entdecken, beschloss ich, von jeder Haltestelle mindestens ein Bild zu machen. Darüber werde ich hier mit einem dreiteiligen Artikel berichten.

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Bild 1: Leuchtende “X”e an der Station “Königsworther Platz”: Der BUSSTOP von Ettore Sottsass.

Mehr zufällig kam ich zu der Idee, sämtliche Haltestellen aufzusuchen und sie fotografisch umzusetzen. Es fing an mit der Station am Steintor: Ich schaute nach einem Motiv, das sich auf dem Heimweg noch bei Tageslicht oder zumindest in der Dämmerung fotografieren lässt. Gar nicht so einfach im Januar, so früh wie dieser Tage die Sonne untergeht. Am Rande der Fußgängerzone gelegen, kam mir die charakteristische gelb-schwarze „Schachbrett-Burg“ gerade recht. Das Motiv und seine Umsetzung gefielen mir, und so trieb ich mich in den folgenden Wochen damit um, ebenso die restlichen Stationen abzubilden. Wie so oft musste ich auch hier feststellen, dass sich beim Fotografieren in der Dämmerung nur ein Motiv pro Tour sinnvoll schaffen lässt. Selbst wenn zwei interessante Orte fußläufig beieinanderliegen, verzettelt man sich meist.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 17mm L, 8 s bei Blende 11, ISO 100)

Die Haltestelle “Steintor”

Die Haltestelle Steintor befindet sich in der Kurt-Schumacher-Straße, in deren Mitte die Straßenbahnschienen verlaufen. Die beiden in die Länge gezogenen Wartehäuschen werden daher von den Fahrspuren für den Autoverkehr eingeschlossen. Sucht man im Internet nach Bildern der Haltestelle, findet man oft den Blick schräg nach Westen, mit dem bekannten Anzeiger-Hochhaus im Hintergrund. Das ist sicher eine gute Ansicht, um gleich zwei Sehenswürdigkeiten der Stadt in einem Bild zu vereinen. Ich wollte jedoch nicht, dass die beiden Objekte um die Aufmerksamkeit des Betrachters konkurrieren. Deshalb bestand mein ursprünglicher Gedanke darin, die Haltestelle vom Fahrbahnrand aufzunehmen, frontal auf die lange Seite blickend. Ich wollte einen streng symmetrischen Bildaufbau. Daraus wurde jedoch nichts: Auch mit meiner kürzesten Brennweite gelang es mir nicht, weit genug zurückzutreten – das langgezogene Häuschen wollte einfach nicht ins Bild passen. Auch hätte ich dann mit allerhand Laternenmasten und Verkehrsschildern im Vordergrund leben müssen. Ich fand jedoch einen guten Standpunkt mit dem Anzeiger-Hochhaus im Rücken: Schräg auf das stadteinwärts-seitige Häuschen blickend, das sich von dort etwa zur Hälfte mit dem Häuschen der Gegenrichtung überlappte. Direkt an einer Laterne zu stehen brachte mir den Vorteil, diese nicht im Bild haben zu müssen. Angenehmer Nebeneffekt: Das Laternenlicht ließ die schwarz-gelbe Verkleidung leuchten, als hätte man einen überdimensionierten Blitz gebraucht. Wegen des schwindenden Tageslichts und der damit verbundenen langen Belichtungszeiten gelang es mir kaum noch, im dichten Berufsverkehr eine Aufnahme zu erhalten, durch die kein Auto fuhr. Warum also nicht aus der Not eine Tugend machen? Nach ein paar Versuchen hatte ich schließlich mein Bild. Die roten Rücklichter der Autos zeigen, wie verkehrsreich der Ort ist, und die durchs Bild gleitende Straßenbahn illustriert den Bestimmungszweck des Kunstobjekts: eine Haltestelle.

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Bild 2: Gestaltet von Alessandro Mendini, die Haltestelle “Steintor”.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII mit 1,4x Tele-Konverter (Brennweite dadurch bei knapp 35mm), 15 s bei Blende 11, ISO 100)

Die Haltestelle “Maschsee / Sprengel Museum”

Das Foto des BUSSTOPS am Maschsee entstand eher zufällig. Eigentlich war ich zum Sprengel Museum gefahren, um dessen Eingangsbereich in der Dämmerung zu fotografieren. Das Wetter gab sich von einer schlechten Seite: Regenschauer, böiger Wind und gar nicht mal so warm. Ich kämpfte mit Wassertropfen auf der Frontlinse und die Windböen ließen es kaum zu, den Regeschirm einzusetzen. Nach getaner Arbeit am Museum fiel mir die Bushaltestelle auf. Zwar erschien mir der Himmel schon recht dunkel, aber mittlerweile hatte wenigstens der Regen nachgelassen. Warum also nicht schnell ein Bild probieren und dann ab nach Hause? Die Haltestelle, eine silbrige Walflosse mit blauem Standfuß, nahm ich vom Straßenrand ins Visier. Mit meinem 24mm-Objektiv passte die Flosse diagonal ins Bild und am rechten Rand blieb noch etwas Platz für das Haltestellenschild. Als sehr hilfreich erwies sich die Schlange von Autos, die in meinem Rücken an der Ampel wartete. Die Scheinwerfer hellten nämlich die Flosse auf und sorgten auf der nassen Oberfläche für zusätzliche Reflexionen. So kam ich ohne große Vorplanungen und innerhalb von gerade mal zehn Minuten an mein Bild.

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Bild 3: Die Haltestelle “Maschsee / Sprengel Museum” entwarf Heike Mühlhaus.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII , 60 s bei Blende 11, ISO 200)

Die Haltestelle “Leinaustraße”

Die Haltestelle Leinaustraße liegt in Hannover-Lindens Limmerstraße, an ihr halten sowohl Busse als auch Straßenbahnen. Eine Wand aus vierstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern säumt die Limmerstraße, größtenteils stammt die Bebauung noch aus der Gründerzeit. Die BUSSTOPS, zwei von länglichen Blumenkübeln überdachte Sitzbänke, stellten mich vor einige Probleme. Ihr Abstand zu den Häuserfronten ist so gering, dass man sie kaum vernünftig vom Hintergrund lösen kann. Mit allerlei Schaufenstern, Werbetafeln und Sitzbänken gerät der Hintergrund zudem recht unruhig. Auch die Hausfassaden geben sich uneinheitlich: Manche zeigen sich in roten Ziegeln, andere geben sich hell verputzt. Ein Foto in der Dämmerung schied für mich eigentlich aus, weil dann die Leuchtreklamen der Geschäfte noch prominenter werden. Von den grau-silbrigen Blumenkübeln sieht man vor allem die Unterseiten, die sich wirkungsvoll dem Tageslicht entziehen. Die Unterseiten schienen mir jedenfalls immer schattig-dunkel zu sein. Eine durchs Bild fahrende Straßenbahn wirkt dynamisch und belebt das Bild, finde ich. Bei der Leinaustraße gelang es mir jedoch nicht, einen Blickwinkel zu finden, von dem aus die Straßenbahn nicht wesentliche Teile der Haltestelle verdeckt hätte. Das Foto nahm ich kurz vor Sonnenaufgang an einem Samstag auf, um möglichst ungestört zu sein. So viele Menschen, wie in der Umgebung wohnen, herrscht an der Haltestelle immer viel Betrieb.

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Bild 4: Mit Pflanzen auf dem Dach: Die Haltestelle “Leinaustraße” von Andreas Brandolini.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII mit 1,4x Tele-Konverter (dadurch eine Brennweite von knapp 35mm), 13 s bei Blende 11, ISO 100)

Alle hier gezeigten Fotos habe ich auch unter einer CC-Lizenz bei Wikimedia Commons hochgeladen.

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