BUSSTOPS-Haltestelle am Congress Centrum in Hannover

Mein BUSSTOPS-Projekt (Teil 3)

March 19, 2016

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Der dritte und letzte Artikel meiner BUSSTOP-Serie beschäftigt sich mit den drei Haltestellen Rathaus, Königsworther Platz und Congress Centrum. Während die erstgenannte mich einigermaßen herausforderte, ihr ein interessantes Bild abzugewinnen, ging die zweite ganz leicht von der Hand ging. Und auch bei der dritten musste ich nicht lange probieren.

Die Haltestelle “Rathaus / Friedrichswall”

Den BUSSTOP am Friedrichswall erreichte ich leider sehr spät. Als ich dort eintraf, gingen gerade die Straßenlaternen an und der wolkenverhangene Himmel ließ die Dämmerung gefühlt schon sehr viel früher einsetzen. Wie so oft beim Fotografieren im Zwielicht geht es plötzlich ganz schnell, innerhalb weniger Minuten ändert sich die Stimmung auf dramatische Weise.

Zunächst ein paar Worte zu der Haltestelle: Das von Massimo Iosa Ghini gestaltete „Luftboot“ ist das einzige Wartehäuschen der BUSSTOPS, dessen Standort verlegt wurde. Ursprünglich stand es an der Busspur, die mittig auf dem Friedrichswall verlief. Als man die Spur jedoch in einen Grünstreifen umwandelte, kam das Wartehäuschen an seinen neuen Platz vor dem Museum August Kestner. Diesen Aufstellungsort halte ich für wenig gelungen: Die Haltestelle wird nämlich nur von einer einzigen Buslinie angefahren, die bereits an der folgenden Station (dem Aegidientorplatz) ihren Endpunkt erreicht. Weil die Entfernung ohnehin nicht sehr groß ist, steigt fast niemand mehr für die letzte Station zu, so mein Eindruck. Die Idee der BUSSTOPS, den Reisenden die Wartezeit zu „versüßen“, funktioniert in diesem Fall also nicht besonders gut, weil kaum jemand dort wartet.

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Bild 1: Massimos Iosa Ghinis “Luftboot” steht am Friedrichswall, vor dem Museum August Kestner.

Fotografisch gehörte das „Luftboot“ für mich zu den anspruchsvolleren Motiven in dieser Reihe. Von der Straßenmitte wird der Blick durch eine Laterne verstellt, aus kürzerer Distanz lenkt mir die detailreiche Fassade des Museums zu sehr ab. Am vorderen Ende besitzt das Häuschen eine lang ausgezogene Spitze, ähnlich dem Bug eines Segelschiffs. Um sie mit ins Bild zu bekommen, muss man recht weit zurückgehen, was den Rest der Haltestelle stark schrumpfen lässt. Hinzu kommt eine gerichtete Beleuchtung durch Strahler, die in den Boden eingelassen sind. Sie sorgen für extrem helle Flecken an der Unterseite des „Rumpfes“. Die Suche nach dem Kamerastandort geriet dadurch mehr zu einem Ausschluss– als einem Auswahlverfahren. Letztlich hielt ich einen Blick Richtung Westen am Interessantesten, mit dem Museum zur Linken und der Straße zur Rechten. Schaukasten-artige Fenster in der Hausfassade, die Haltestellenbeleuchtung und die Scheinwerferspuren ergeben so eine Art „Lichtdiagonale“, die von links oben nach rechts unten verläuft. Mithilfe des Polfilters ließ sich der Nässeglanz auf den Gehwegplatten noch ein wenig herauskitzeln. Das ungemütliche Regenwetter dieses Tages kommt auf dem Bild so ganz gut herüber.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII, 13 s bei Blende 11, ISO 100. Mit Polfilter.)

Die Haltestelle “Königsworther Platz”

Am Königsworther Platz fällt der BUSSTOP schon von Weitem auf: Leuchtend gelbe, aus „X“-artigen Kreuzen gebildete Seitenwände und ein flaches Dach, dessen Unterseite ebenfalls in Gelb erstrahlt. Als „XX“ zu Paaren gruppiert weisen diese Kreuze auf das 20. Jahrhundert hin. Der Entwurf kam vom italienischen Architekten Ettore Sottsass.

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Bild 2: Ettore Sottsass entwarf das Wartehäuschen am Königsworther Platz für die Fahrgäste der Buslinie 100. (Aufnahme mit ca. 35mm)

Das Wartehäuschen am Königsworther Platz steht günstig, mit einem breiten Fuß- und Radweg davor. Außerdem kommen einem weder Verkehrsschilder noch Straßenlaternen in die Quere. Diese Bedingungen ließen gleich zwei unterschiedliche Aufnahmen zu: aus kurzem Abstand, frontal auf die offene Seite des Häuschens – und aus etwas größerer Entfernung schräg von der Seite blickend. Die Frontalansicht zeigte ich bereits als Titelbild im ersten Artikel zu meinem BUSSTOP-Projekt (hier). Wegen des kurzen Abstandes funktionierte hier nur eine Brennweite von 17mm, wenn das Dach am an den Rändern nicht abgeschnitten werden sollte. Hier bestand für mich die Schwierigkeit darin, die Kamera exakt auszurichten, sodass die Dachkante des Wartehäuschens und die Fensterreihen des dahinterliegenden Bürogebäudes parallel zur langen Bildseite erscheinen. Um die wartenden Fahrgäste durch das Fotografieren nicht zu belästigen, musste ich mich mit den Abfahrtzeiten der Busse synchronisieren. Fuhr ein Bus ab, öffnete sich ein Zeitfenster von zwei bis drei Minuten, ehe die Reisenden für den nächsten Bus eintrafen. War dann jemand zugegen, nahm ich die Kamera beiseite, ließ aber das Stativ an Ort und Stelle, um die gefundene Position nicht zu verlieren.

Das zweite, hier gezeigte Bild nahm ich ganz unkompliziert auf. Anders als im zuerst geschilderten Fall ist es bei der Schrägansicht nicht nötig, eine bestimmte Waagerechte im Bild möglichst perfekt auszurichten. Dadurch, dass ich für dieses Bild einige Meter zur Seite gehen konnte, brauchte ich auch keinem Wartenden mehr die Kamera „ins Gesicht halten“. Wegen der größeren Entfernung beim zweiten Standort wechselte ich von 17 auf 35mm Brennweite (24mm mit 1,4x Tele-Konverter). Die fortgeschrittene Dämmerung brachte einen intensiv blauen Himmel, der sich gut mit dem Gelb der Haltestelle kontrastiert. Die einzige Aufgabe bestand für mich noch darin, ein Zeitfenster ohne Radfahrer abzupassen.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII und 1,4x Tele-Konverter, 11 s bei Blende 11, ISO 200. Mit Polfilter.)

Die Haltestelle “Hannover Congress Centrum”

Der BUSSTOP am Hannover Congress Centrum fügt sich in eine Laubenallee. Deswegen bietet sich das Winterhalbjahr an, um das Wartehäuschen zu fotografieren: So wird es nicht durch Laub verdeckt, außerdem lassen sich die in Form geschnittenen, knubbeligen Äste der Baumkronen gut erkennen. Der Barceloner Maler Óscar Tusquets Blanca entwarf ein langgezogenes Objekt, dessen Dach von einem gläsernen Giebel durchzogen wird.

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Bild 3: Óscar Tusquets Blancas Häuschen in der Laubenallee.

Für das Foto stellte ich mir vor Kopf, mit Blickrichtung Zoo – dementsprechend befand sich der markante Kuppelbau in meinem Rücken. Aus dieser Sicht lässt sich gut das spitze Dreieck des Giebels erkennen und die Längsachse im Dach weist vom oberen Bildrand bis zu einem fernen Punkt am Ende der Allee. Um diesen Fernblick und die Allee noch ein bisschen hervorzuheben, hellte ich den Alleeboden hinter der Haltestelle nachträglich ein wenig auf. Wie so oft wünschte ich mir auch hier eine vorbeifahrende Straßenbahn als kleinen „Gag“ im Bild. Dafür kamen jedoch nur die Züge Richtung Stadtzentrum in Frage, denn die der Gegenrichtung wären mir zu weit weg gewesen, um im Foto noch zur Geltung zu kommen. Weil die Bahnen im 10-Minuten-Takt verkehrten und ich in der Dämmerung unterwegs war, blieben mir für gutes Licht nicht viele Gelegenheiten – genaugenommen nur eine. Zehn Minuten früher empfand ich den Himmel noch zu hell, vor allem an seinen wolkenloses Stellen. Und zehn Minuten später war bereits das Licht der Haltestelle eingeschaltet worden, so dass mir diese stellenweise unharmonisch grell ausgeleuchtet erschien.

(Aufnahme-Daten: Canon EOS 6D, Canon TS-E 24mm LII, 6 s bei Blende 11, ISO 100.)

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