Grabstätte mit Statue auf dem Melaten-Friedhof in Köln

Licht und Schatten auf dem Kölner Melaten-Friedhof

May 7, 2016

by — Posted in black and white, Kunstobjekte, Sakrales (Kirchen, Friedhöfe)

Der Melaten-Friedhof in Köln ist ein ganz besonderer Ort, nicht nur aus fotografischer Sicht. Entlang seiner Hauptwege befinden sich durchgängig repräsentative Grabmale, deren Größe, Pracht und schiere Anzahl mir noch auf keinem Friedhof zuvor begegnete. Anderthalb Stunden eines sonnigen Mai-Nachmittages reichten, um viele interessante Aufnahmen mit nach Hause zu nehmen.

Von dem Friedhof hatte ich passenderweise in einem Foto-Blog erfahren. Der Technik-Journalist David English kam hierher, während er zu einem Besuch der photokina in Köln war – sein erster Deutschlandaufenthalt überhaupt. Den Melaten-Friedhof beschrieb er als höchstgradig inspirierend. Die Atmosphäre dort habe ihn gleich an die deutschen UFA-Filme aus den 1920ern erinnert, wie z. B. Metropolis oder Nosferatu.

Wie Englisch blieb auch mir nicht allzu viel Zeit und Gelegenheit, mich mit dem Ort auseinanderzusetzen. Deswegen gab es auch keine Möglichkeit, den Friedhof bei einem anderem Wetter als dem vorherrschenden aufzusuchen. Während des Nachmittags schien die Sonne, keine Wolke zeigte sich am Himmel. Die vielen Bäume mit ihrem frisch entfalteten Laub schufen jedoch ein reizvolles Spiel aus Licht und Schatten. Hin und wieder hatte ich das Glück, eine Statue in einer Theater-ähnlichen Ausleuchtung vorzufinden.

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Das Grab Hans Böcklers.

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Eine weitere Gemeinsamkeit verband meinen Besuch mit dem von David English: Wie der Journalist war auch ich mit einem 50mm Summilux-M (f1,4) unterwegs. Dank der Normalbrennweite lassen sich die Statuen auf recht natürliche Weise umsetzen. Ihre Größe gleicht der eines Menschen, daher lassen sich die gleichen Grundlagen wie für die Porträtfotografie anwenden. Um die Figuren ganz ins Bild zu bekommen, ist ein Abstand von wenigen Metern nötig. Dies ist auch insofern praktisch, weil ich die Gräber zum Fotografieren nicht betreten wollte. (Während meines Besuches fielen mir jedoch einige Touristen auf, die in dieser Hinsicht weniger Berührungsängste besaßen.)

Leider konnte ich das Objektiv nur selten offenblendig einsetzen, weil es dafür meistens zu hell war. Hierzu trägt auch die Kamera ihren Teil bei, der Sensor ist mit seiner Basis-ISO von 320 oft zu lichtempfindlich für sonnige Tage.

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Es bereitete mir Freude, auf dem Friedhof nach Stellen zu suchen, an denen das einfallende Sonnenlicht einzelne Steine oder Figuren besonders hervorhebt. Ein gutes Beispiel ist das unten stehende Bild der einheitlich aufgereihten Kriegsgräber. Der vordere Stein wird angestrahlt, während die Nachbarn im Schatten oder Halbschatten liegen. Der Ort erhält dadurch eine mystische, märchenhafte Anmutung. Auf vielen Bildern lassen sich im Hintergrund schemenhaft Bäume erkennen, die den Friedhof ein bisschen wie einen Wald erscheinen lassen. Hieran gefällt mir, wie das Sonnenlicht die Baumkronen mit feinen Lichtpunkten durchsetzt.

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Den Melaten-Friedhof gibt es übrigens seit 1810. Er entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Leprakolonie, ursprünglich außerhalb der Kölner Stadtmauern gelegen. Obwohl die Anlage mehrfach erweitert wurde, bot der Melaten-Friedhof schon bald nicht mehr ausreichend Platz, sodass Anfang des 20. Jahrhunderts vier weitere Friedhöfe zu seiner Entlastung angelegt wurden. In der Anfangszeit gab es kaum Pflanzen auf dem Gelände. 1826 entwarf dann der Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weye ein Konzept, das für die Hauptwege eine hohe Platanen-Allee vorsah, während an den Seitenwegen Linden und Rosenstöcke gepflanzt wurden. Gemeinsam mit dem Friedhof erweiterte sich später auch die Vielfalt der Flora: Hinzu kamen Ahorne, Birken, Lebensbäume, Zierkirschen und andere Arten.

Viele bekannte Persönlichkeiten liegen auf dem Melaten-Friedhof begraben. Zufällig sah ich bei meinem Spaziergang die Grabstätte der Schauspielerfamilie Millowitsch und den Stein des Gewerkschafter Hans Böckler, der wie ein Zahnrad gestaltet ist. Ganz gezielt suchte ich hingegen nach der Grabstätte des Kölner Fotografen Chargesheimer (Carl-Heinz Hargesheimer). Bekannt wurde er durch seine Porträts der Kölner Durchschnittsbevölkerung und der „einfachen Arbeiter“, schuf aber auch abstrakte Licht-Grafiken. Wegen seiner ungeschönte Darstellung des Nachkriegs-Ruhrgebietes eckte er bei vielen Bürgermeistern und Stadtdirektoren an, die den Ruf ihrer Stadt durch seine Aufnahmen beschmutzt sahen. Nach all dem Prunk entlang der Hauptwege beeindruckte mich Chargesheimer Grab sehr: Eine schlichte Metallplatte, die außer seinem Künstlernamen nur Geburts- und Todesjahr verrät. Damit spiegelt seine Ruhestätte das wider, was ich über Chargesheimers Charakter und Weltanschauung gelesen hatte: einfühlsam, aber unangepasst und konsumkritisch.

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Einen Besuch des Melaten-Friedhofs kann ich jedem Köln-Reisenden nur empfehlen. Die grüne, ruhige Insel mitten in der Stadt lädt ein, dort zu verweilen und zu sinnieren. Es werden auch Führungen über den Friedhof angeboten, teilweise mit naturkundlichem Schwerpunkt.

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