"leine de lights", Lichtinstallation von Franz Betz auf dem Maschteich am Neuen Rathaus in Hannover

“leine de lights” – Lichtinstallation auf dem Maschteich

July 2, 2016

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Zum 775. Stadtgeburtstag von Hannover gibt es für die Bürgerinnen und Bürger etwas Neues zu sehen: Eine auf dem Maschteich schwimmende Lichtinstallation wartet hinter dem Neuen Rathaus darauf, entdeckt zu werden. Fotografisch rief das Kunstwerk bei mir einiges an Kopfzerbrechen hervor, dann half mir aber der Zufall.

Die Lichterkette leine de lights schuf der „Lichtbildhauer“ Franz Betz. Sie symbolisiere einen Zeitstrahl für die 775 Jahre Stadtgeschichte, liest man darüber beim Stadtmarketing. Gleichzeitig stehe sie auch für die Stadtgrenze, das „Moment, über das sich eine Stadt faktisch definiert“. Nun ja. Die Lichtinstallation besteht aus einer quer über den Teich verlaufenden Kette, bei ihren Gliedern handelt es sich um Schläuche aus LKW-Reifen. Auf jedem Schlauch liegt ein weißer Balken, in dessen Innerem Lämpchen flackern. Mal passiert das in Form weißer Blitze, dann wiederum wandert ein blasses Violett von einem Balkenende zum anderen.

Zunächst wollte ich ein Foto mit dem 85er aufnehmen: Mit meiner längsten Brennweite möglichst nah herankommen und den ersten Schlauch optisch herauslösen, die nachfolgenden Kettenglieder dann zügig in Unschärfe verschwinden lassen, das war der Plan. Ihn umzusetzen erwies sich als gar nicht so einfach. Wo einen guten Ausgangspunkt finden? Die beiden Enden der Kette treiben nämlich an einer Stelle, die recht weit vom Ufer entfernt liegt. Während mir die 85mm im Bereich Architektur und Landschaft viel zu stark vergrößern, hätten es hier gerne ein paar Millimeter mehr Brennweite sein dürfen. Auch der Unschärfe-Effekt funktionierte wegen des großen Motivabstandes weniger gut als ich erhofft hatte.

Als Standort wählte ich eine Stelle nahe dem rathausseitigen Ende der Kette. Mit dem Ergebnis, dass man natürlich das Rathaus selbst – die Sehenswürdigkeit Hannovers – nicht im Bild hat. Egal, dafür musste ich immerhin nicht gegen die untergehende Sonne fotografieren. Das aus Sicht des Fotografen größte Problem bestand aber wohl darin, dass die Lichteffekte wirklich nicht besonders intensiv sind: An Bild 1 lässt sich gut erkennen, wie die entfernten Autoscheinwerfer und Straßenlaternen in der Bildmitte auffälliger strahlen als der Balken vorne rechts. Die Lichter streiten geradezu mit dem Kunstwerk um die Aufmerksamkeit des Betrachters.

"leine de lights", Lichtinstallation von Franz Betz auf dem Maschteich am Neuen Rathaus in Hannover
Bild 1: Das rathausseitige Ende der Kette, aufgenommen mit 85mm.

Für den zweiten Versuch entschied mich für den populärsten Fotostandpunkt Hannovers: Auf der kleinen Brücke mit dem gusseisernern Geländer, den Blick aufs Rathaus gerichtet. An diesem Tag schlug ich lieber früh auf, denn der Andrang dort hatte mich schon bei der ersten Gelegenheit beeindruckt. Um 21:30 Uhr brauchte ich mir um die Konkurrenz allerdings keine Sorgen machen, denn noch hatte niemand hier sein Stativ aufgebaut. Dann hieß es erstmal: warten, warten, warten. Die neben dem Rathaus verschwundene Sonne ließ nämlich einen starken Lichtschein zurück, der das Gebäude in einen dunklen Klumpen verwandelte.

Aber auch mit der gegen 22:20 Uhr eingeschalteten Schmuckbeleuchtung des Rathauses ging es noch nicht: Das Umgebungslicht gewann weiterhin gegen die zaghaften Lichtblitze auf dem Wasser. Was natürlich auch die fortschreitende Dämmerung nicht zu meinen Gunsten verändern konnte, war der Kontrast zwischen dem hell angestrahlten Gebäude und den leuchtenden Balken. Das im Dauerlicht stehende Rathaus wird immer heller erscheinen als die nur kurzzeitig und schwach aufleuchtenden Balken – egal, wie dunkel es ist und egal, wie lange man auch belichtet.

Ich war gerade soweit, die Umstände als gegeben zu akzeptieren, da ließ mich ein Knall auffahren: Feuerwerk! Na klar, an diesem Freitag begann das hannoversche Schützenfest. Und weil es in Hannover zu allen möglichen Anlässen Feuerwerke geben muss, darf natürlich auch das beliebte Volksfest nicht leer ausgehen. Die quasi über mir zerplatzenden Leuchtkörper stülpten ihr farbiges Licht über die Szenerie. Die Bäume und Büsche, der Mittelteil des Rathauses – und eben das Kunstwerk: Alles wunderbar aufgehellt. Verlierer der Situation waren jedoch die Enten, die sich bereits zum Schlafen hingelegt hatten. Das Weite suchend brachten sie das Wasser ordentlich in Bewegung.

"leine de lights", Lichtinstallation von Franz Betz auf dem Maschteich am Neuen Rathaus in Hannover
Bild 2: Das klassische Touristenfoto, mit Lichtkunstwerk und der “Spezial-Beleuchtung” von oben.

Das Vergleichsfoto, Bild 3, nahm ich unmittelbar nach Bild 2 auf. Das Feuerwerk war mittlerweile zu Ende gegangen und auch die Wasseroberfläche befand sich wieder in Ruhe. Man sieht, wie die Bäume und Büsche nun merklich dunkler erscheinen. Und vor allem die Balken leuchten viel weniger intensiv. Außerdem hat sich ihre Farbe geändert: Bei Bild 2 besitzen sie eine Mischfarbe aus dem Widerschein der zumeist roten Feuerwerkskörper und ihrer eigenen, violetten Beleuchtung. Bei Bild 3 bleibt nur das Violett.

"leine de lights", Lichtinstallation von Franz Betz auf dem Maschteich am Neuen Rathaus in Hannover
Bild 3: Die Situation ohne Licht vom Feuerwerk.

Fazit: Manchmal muss man eben Glück haben! Mit dem Feuerwerk hatte ich überhaupt nicht gerechnet, es spielte mir aber wunderbar in die Karten.

Zum Technischen: Bild 1 entstand mit der Canon EOS 6D und dem 85mm-Objektiv, bei f1.2 und ISO 100 betrug die Belichtungszeit 2 Sekunden. Für Bild 2 und 3 nutzte ich die gleiche Kamera, jedoch mit dem 24mm-Shift-Objektiv in Kombination mit dem 1,4x-Telekonverter. Das Objektiv shiftete ich ein wenig nach unten, um möglichst viel von der Lichterkette ins Bild zu bekommen. Bei Blende 11, ISO 200 und mit aufgeschraubtem Polfilter betrug die Belichtungszeit bei beiden Fotos ca. 160 Sekunden.

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